ASAGROON: geplante Hefserie, Textauszug (raw)

Mestray hatte ihm nie erzählt warum die Akkato schon so lange mit den Keymon im Streit lagen. Selbst für kosmische Maßstäbe musste ein Konflikt von solcher Dauer ungewöhnlich sein, vermutete Dominic Porter. Und nach allem was er von Mestray erfahren hatte, war der eigentliche Grund für den Krieg nichtmehr genau zu ermitteln. Zwar war Porter mit den Feinheiten des Faranday, der „Einen Zunge“ noch nicht vertraut, die von den Völkern Asgaroons gesprochen wurde und als galaktische Amtssprache fungierte. Und Fürst Mestray beherrschte lediglich ein paar Worte der Universalsprache „Ula“, welche bei den Menschen gebräuchlich war. Aber er meinte herausgefunden zu haben, dass sich der ganze Schlamassel an einer tatsächlichen, oder vermeidlichen Beleidigung entzündet hatte, die einer der vielen Naturgottheiten der Akkato galt. Eine unverzeihliche Blasphemie und Irgendwie war es dabei um die frevlerische Nutzung eines Blattes oder Grashalmes gegangen. Er hoffte, dem Akkatofürsten mit seiner Einschätzung nicht Unrecht zu tun. Vielleicht war es ja auch weitaus schwerwiegender gewesen und es war der Robustheit der „Einen Zunge“, oder des „Ula“ geschuldet, welche die Tiefe der uralten Kränkung nicht ausreichend genug zu beschreiben und auszufüllen vermochte. Irgendeinen triftigen Grund musste es doch geben, der diesen endlosen Wahnsinn rechtfertigen konnte. Möglicherweise hätte Fürst Mestray mit der unehrerbietigen Benutzung einer Pflanze durch einen Käfer – denn nichts anderes waren die Keymon, wenn man sie auf ihr Wesen reduzierte – kein Problem gehabt und hätte großzügig darüber hinweggesehen. Bestimmt mochte es unter den Gelehrten der Akkato genügend weise Männer und Frauen gegeben haben, die zur Besonnenheit geraten hatten. Damals, vor fast viertausend Jahren. Doch es war schon seit jeher eine knifflige Angelegenheit gewesen, den Willen und die Gefühle eines überirdischen Wesens zu deuten. Offenbar war man bereit den allmächtigen Gottheiten weitaus kleinlichere Beweggründe zu unterstellen, als man sie sich selber eingestand und die es rechtfertigten millionen von Leben auszulöschen. Womöglich wollte man sich gegenüber den großen, schweigenden Ominpotenzen vergewissern alles richtig gemacht zu haben, indem man seine Unsicherheit durch umso größere Rücksichtslosigkeit wettmachte. Das schien wichtig, wollte man klarstellen keine Fehler zu dulden und den Göttern zeigen, dass man es mit der Religion ernst meinte.
Dominic schalt sich selbst einen Narren, als er unwillkürlich an all die zahllosen Glaubenskriege denken musste, welche die Geschichte der Menschheit geprägt hatten. Auch diese hatten immerhin Jahrtausende angedauert und unzählige Länder verwüstet. Die Gründe waren für niemanden nachzuvollziehen, der einigermaßen bei klarem Verstand war und die Theologen aller Glaubensrichtungen ereiferten sich in den Jahren danach, ihre Hände in Unschuld zu waschen. Porter rieb sich die Augen. Er hatte zuwenig Schlaf bekommen in letzer Zeit, oder vielleicht zuviel. Es war notwendig in größeren, in galaktischen Kategorien denken, um nicht den Verstand zu verlieren und angesichts der Gewalt, mit der es die Menschheit nun zu tun hatte, des waren die irdischen Kriege wohl nur kurze Scharmützel gewesen und der Keymon/Akkato Konflikt gerade erst am Anfang.

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