Vergangenheit begreifen. Gegenwart und Zukunft verstehen.

Wer über die Zukunft schreibt, sollte sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. So sagte mir ein Besucher auf der Comic Con in Stuttgart 2016. Es entspann sich zwar eine Diskussion über das Verhältnis von Geschichte und Zukunft, aber weder er noch ich, wollten von den jeweiligen Standpunkten abgehen. Ich denke, ich hatte die besseren Argumente. Bestimmt denkt er dasselbe auch von sich.
Will man verstehen, wohin die Reise der Menschen geht, ist es notwendig, zu wissen, wann und wo der erste Schritt begann. Meine Intension ist nicht von technischen Spielereien, wie Beamen oder dem Bau von Lichtschwertern zu schreiben. Das alles ist für mich nur Beiwerk. Mich interessieren Kulturen und Menschen. Es mag desillusioniert klingen, aber ich denke, dass der Mensch seinen Ballast bis in alle Zukunft mit sich schleppen wird. Womöglich entledigt er sich – notwendigerweise – von dummen, religiösen Wahnvorstellungen. Das Zeug kann weg. Was aber immer bleiben wird, sind unsere Ideale und Abgründe. Aus diesen Dingen wird sich immer jene nötige Dramatik entwickeln, die für spannende Geschichten sorgt. Es kann gut sein, dass ich einmal über eine neue technische Errungenschaft schreiben werde. Aber die wird lediglich die Kulisse bilden, vor der sich meine allzu menschlichen Protagonisten mit all ihren Schwächen und Stärken tummeln sollen. Je nach Veranlagung wird der Eine oder der andere, seine technischen Möglichkeiten verwenden, um Segen oder Fluch über seine Generation zu bringen. Ich sehe dieses Verhalten in der Geschichte der Menschen, seit sie gelernt haben Stein zu bearbeiten oder Atome zu spalten. Der Eine erschafft eine Klinge, zum bearbeiten von Leder oder Holz. Der Andere sieht darin eine Möglichkeit, seinen Mitmenschen effektiv die Kehle durch zu schneiden. Heute baut man Atomkraftwerke oder Atombomben. Blicke ich auf die Geschichte, stehen wir immer zwischen technischen Fortschritt und dem richtigen Umgang damit. Wobei der Terminus “Richtig“ schon wieder im Auge des Betrachters liegt. Nur so ist es zu erklären, dass wir im Frühling des Jahres 2022 mit einem Krieg zu tun haben, bei dem sogar die Möglichkeit einer nuklearen Eskalation gegeben ist. Trotz Aufklärung, Humanismus und em Zugang zu Bildung, gibt es offenbar Menschen, die kriegerische Auseinandersetzungen für nötig halten. Auch ich kann mich nicht zu einem bedingungslosen Pazifismus durchringen und ergreife unwillkürlich Partei. Und Parteiergreifen, schließt auch den Prozess der innerlichen moralischen Rechtfertigung ein. Wo steckt also der gerade dem Urwald entsprungene Urmensch in mir, den es zu bekämpfen gilt? Oder sollte ich das vielleicht nicht? Ist er notwendig, für mein Überleben. Womöglich unentbehrlich für das Überleben unserer ganzen Spezies? Hängt unsere Zukunft davon ab? Brauchen wir den Krieger, der sich über alle Bedenken hinwegsetzt und für den zögernden Pazifisten entscheidet? Ist Moral hinderlich, das Fleisch zu retten? Überlebt der Geist, wenn der Krieger uns gerettet hat? Und wenn ja, war das dann überhaupt eine Rettung? Ich weiß es nicht. Jedenfalls weiß ich es nicht ganz genau, womöglich kann ich es durch meine NOMADS Geschichten für mich und andere ergründen, indem ich Zukunft durch den Spiegel der Vergangenheit betrachte.


English

Understand the past. Understand the present and future.

Understand the past. If you write about the future, you shouldn’t concern yourself with the past. So said me a visitor on the Comic Con in Stuttgart 2016. A discussion about the relationship of history and future developed, but neither he nor I, wanted to depart from the respective points of view. I think I had the better arguments. If one wants to understand where the journey of the people goes, it is necessary to know when and where the first step began. My intention is not to write about technical gimmicks like beaming or building lightsabers. All of that is just incidental for me. I am interested in cultures and people. It may sound disillusioned, but I think that man will drag his ballast with him into the future. Possibly he gets rid – necessarily – of stupid, religious delusions. That stuff can go. But what will always remain are our ideals and abysses. From these things will always develop the necessary drama that makes for exciting stories. It may well be that one day I will write about a new technical achievement. But this will merely form the backdrop against which my all-too-human protagonists will cavort with all their weaknesses and strengths. Depending on their disposition, one or the other will use their technical possibilities to bring blessing or curse upon their generation. I see this behavior in the history of the people since they learned to work stone or to split atoms. One creates a blade to work leather or wood. The other sees in it a possibility to cut his fellow men effectively the throat. Today one builds atomic power stations or atomic bombs. If I look at history, we always stand between technical progress and the correct handling with it. Whereby the term „right“ again lies in the eye of the beholder. This is the only way to explain the fact that in the spring of 2022 we are dealing with a war in which there is even the possibility of nuclear escalation. Despite enlightenment, humanism and em access to education, there are obviously people who consider warlike conflicts necessary. I, too, cannot bring myself to an unconditional pacifism and involuntarily take sides. And taking sides also includes the process of inner moral justification. So where is the primal man in me, just sprung from the jungle, that needs to be fought? Or should I perhaps not? Is he necessary, for my survival. Possibly indispensable for the survival of our entire species? Does our future depend on it? Do we need the warrior who overrides all concerns and opts for the reluctant pacifist? Is morality a hindrance to saving the flesh? Does the spirit survive if the warrior saved us? And if so, was that a rescue at all? I don’t know. Anyway, I don’t know for sure, possibly I can fathom it through my NOMADS stories for myself and others, looking at future through the mirror of the past.

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