NOMADS LEGACY – Zug um Zug. (Hörbuch)

NOMADS LEGACY – Zug um Zug. (Hörbuch)

(gelesen von Georg Bruckmann)

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Und hier der Klappentext!

Zug um Zug:
Arwed ist ein erfahrener Pilot, der hauptsächlich Kurierflüge übernimmt, die ihn durch umkämpftes Gebiet führen. Doch die Fronten im galaktischen Bürgerkrieg sind nach Jahren des Kampfes erstarrt. Alle Parteien scheinen erschöpft. Der neue Auftrag sollte also ein einfaches Unterfangen sein. Doch wie immer kommt es anders …

 

Und hier noch ein kleiner Textauszug!

Kapitel 1

Die Landschaft war bis zum Horizont von Kratern und Trichtern übersät. Eine graue Einöde, vom endlosen Trommelfeuer gezeichnet. Erschöpft und verstümmelt. Kein Vogel war zu hören. Nur der Wind heulte über die schlammige Wüste. Ab und an ein Donnergrollen, nachdem ein Blitz sein grelles Licht über das tote Land geworfen hatte. Im Dauerregen, der aus dem wolkenverhangenen Himmel fiel, hatten sich in den Kratern dunkle Tümpel gebildet. Einige so klein wie Teiche oder Tümpel, andere dagegen weit und tief, wie Seen. Zeugnisse schwerer Bombardements, die vor Kurzem den Planeten erschütterten.
Die Erde dazwischen war sumpfig und glich einem endlosen Morast, der sich bis zum Horizont dehnte. Das Land mochte einst fruchtbar und grün gewesen sein. Bedeckt von dichten Wäldern, voller Leben. Doch jetzt war es von mächtigen Strahlenfingern und Plasmagranaten umgepflügt. Ein trister Acker, unfähig, auch nur das primitivste Leben zu tragen. Alle Vegetation war verschwunden, und jedes Tier getötet. Kahle Hügel und Täler bestimmten das traurige Bild, soweit das Auge reichte. Der Planet Falak war ein kaltes Inferno, leblos und öde.
In die Stille, die über dem Land lag, bohrte sich das Dröhnen von Triebwerken. Ein Schiff näherte sich und brach nach wenigen Sekunden durch die Wolkendecke. Ein schnelles Kurierschiff, das dem Piloten Arwed Mandori gehörte, der es zwischen den tief hängenden Wolken und dem grauen Land auf einen Militärstützpunkt zusteuerte. In einer natürlichen Senke erkannte Arwed die Ansammlung von Containern und Baracken, die zu hohen Türmen aufgestapelt waren. Hier und da ein Geschützturm, der seine Kanonen in den Himmel richtete. Ein großer Bunker beherrschte das Bild, der im Zentrum des Stützpunktes aufragte. Wie eine mittelalterliche Trutzburg erhob er sich aus der Ebene. Fahles gelbes Licht schimmerte hinter den Fensterschlitzen und spiegelte sich im nassen Schlamm.
Arwed spähte durch das Cockpitfenster seines Raumschiffes, an dessen Scheiben die Regentropfen in langen Bahnen entlangliefen. Er sah schwach beleuchtete Pontonwege, die sich zwischen den Baracken hindurchschlängelten, während sein Schiff tiefer herabschwebte. Nach einer Weile fand Arwed den großen Flugplatz, nahe einer bizarr aufragenden Ansammlung mächtiger Antennen und Scannerschüsseln. Er sah auf die Anzeigen seiner Navigationskonsole, die kein einziges Signal empfing, das ihn sicher durch das Unwetter leitete. Wegen der angeordneten Funkstille musste er sich ohne Leitstrahl oder den hilfreichen Anweisungen der Flugleitung einen Platz suchen, wo er seine wuchtige Amy Sue landen konnte. Er kreiste eine Weile über dem Platz, bis er eine kleine Lücke zwischen zwei überdimensionierten gepanzerten Frachtern ausmachte, die mit viel Fantasie als Landeplatz infrage kam. Vorsichtig begann er mit der Landeprozedur. Mit Mühe gelang es ihm, auf der kleinen Fläche aufzusetzen. Die Amy Sue schwankte für einige Sekunden auf ihren Landegreifern auf und ab, bis sie sich eingependelt hatte. Es war ein gutes Gefühl, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Endlich schaltete Arwed den Antrieb ab, der seit Tagen ohne Unterbrechung lief. Die Anzeigen erloschen und das Summen der Computer verstummte. Die Vibrationen unzähliger Aggregate zur Lebenserhaltung, die während des Fluges arbeiteten, ließen nach und verschwanden. Arwed meinte, einen dankbaren Seufzer der KI zu vernehmen, als die Maschinerie des Raumfahrzeuges zum Stillstand kam. Wie fremdartig und erholsam empfand Arwed diese plötzliche Ruhe. Es war nicht das erste Mal, dass er so fühlte. Er hatte in den letzten Jahren schon etliche längere Flüge hinter sich gebracht. Aber zunehmend wurden die damit verbundenen Anstrengungen unerträglich. Er war weit über dreissig und die vergangenen Jahre waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Sie hatten niemanden unverändert und ohne Schaden gelassen. Der Krieg zwischen den Otari-Kolonisten und ihren einstigen Herrschern dauerte schon zu lange an und alle Bemühungen der Axarabor Unterhändler, zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln, hatten keine Erfolge gezeitigt. Es konnte noch ewig so weitergehen. Ein sinnloses Schlachten, das am Ende nur Besiegte kannte. Immerhin schien das Bombardement alle insektenartigen Keymon getötet zu haben, gegen die sie hauptsächlich kämpften. Jedenfalls vermochte er ihre Gegenwart im Augenblick nicht fühlen. Arwed gehörte zu den Menschen, die besonders empfänglich für den telephatischen Kontakt zu diesen Kreaturen waren. Eine Erfahrung, die nicht angenehm war, aber im Kampf von Nutzen sein konnte, da man immer wusste, was der Feind vorhatte und woher er kam. Die Gedanken der Keymon, fühlten sich seltsam an. Simpel und primitiv. Aber das lag wohl eher daran, dass man von den höher entwickelten Keymon nie jemanden zu Gesicht bekam. Hauptsächlich begegnete man den Schnüfflern, die man auch Skelcs nannte. Sie schienen eine Unterart der Keymon zu sein, die Arwed aber eher für Tiere hielt.
Wie auch immer. Diese spezielle telepathische Eigenschaft war es, die den Menschen bei den verbündeten Akkato Pluspunkte einbrachte. Die katzenhaften Oponi besaßen diese Eigneschaft in eingeschränktem Maße, aber wegen einer alten Feindschaft, mieden die Akkato die Zusammenarbeit mit den hochgewachsenen Wesen von Ophyr. Arwed kam gut mit ihnen zurecht. Sie waren das Einzige, was den Elfen aus den Mythen am nächsten kam und den Schrecken übertünchte, den man zwischen den Sternen begegnen konnte.
Schließlich löste sich Arwed von seinen trüben Überlegungen, zog einen schweren Regenmantel an, streifte die Kapuze über und verließ das Schiff. Prasselnd klatschten die Regenschauer auf ihn herab. Es fühlte sich an, als wollten die Regenwolken ihre ganze Last über ihm ausgießen, um ihn zu ertränken.
Die hastig aufgegossene Betonfläche des Flugfeldes war uneben. Zahllose, Wasserlachen hatten sich darauf angesammelt. Arwed eilte über das umzäunte Rollfeld auf den Ausgang zu, wo ein großes Schild, den Weg zur Kommandantur wies. Unnötig eigentlich, da die Kommandantur in jenem Turm untergebracht war, der für alle sichtbar, über alle Dächer aufragte. Der aufkommende Wind rüttelte an dem Blech und würde das überflüssige Ding bald abreißen.
Die schwankenden Pontonwege, die über den schlammigen Boden führten, machten das Gehen schwierig. Er kam er nur langsam voran. Immer wieder musste er innehalten und um sein Gleichgewicht kämpfen. Es gluckerte und schmatzte satt, wenn er über die hölzernen Planken lief. Graubrauner Schlamm spritzte ab und an zwischen den Brettern in die Höhe. Bald war Arwed so mit Schmutz besudelt, dass selbst der heftige Regen ihn nicht mehr fort zu waschen vermochte.
Nach einigen Minuten erreichte eine Gruppe von Soldaten, die ihm den Weg versperrte. Sie standen unter einem Verbindungssteg, der den Weg wie eine Brücke überspannte, und waren in ein Gespräch vertieft. Arwed wusste sofort, dass die gelangweilten Soldaten seine Situation ausnutzen würden, um sich ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Und wie er es vermutet hatte, machten sie keine Anstalten, den Weg frei zu geben. Um einen hoch aufragenden, pferdeköpfigen Akkato versammelt, ignorierten sie Arwed geflissentlich und führten einfach ihre Unterhaltung fort.
„Könntet ihr mich vorbeilassen?“, machte sich Arwed endlich bemerkbar, und tatsächlich unterbrachen sie ihr Gespräch für einen Moment.
Der große Akkato bedachte ihn mit einem abschätzigen Blick. „Frag uns lieber, ob wir das wollen“, grunzte dieser in einem breiten, kehligen Dialekt.
Die Kameraden des Akkato lachten laut; einer schlug dem hünenhaften Geschöpf auf die Schulter, als hätte er gerade den besten Witz seines Lebens gehört.
Erst jetzt konnte Arwed erkennen, dass der Akkato an einer Art Pfeife sog, die er in seinem Mantel verborgen hielt. Er blies den Rauch aus der Nase und hüllte Arweds Gesicht damit ein. Der Tabak, oder was immer es auch sein mochte, roch widerlich. Eine Mischung aus Hundekot, vermengt mit Rosenduft. Nur mit Mühe überwand er einen starken Würgereiz und vermied es zu husten, was man ihm gewiss als Schwäche auslegen würde. Der Regen ließ etwas nach, als wolle er es Arwed ermöglichen, die Worte des Hünen ohne Probleme zu vernehmen.
„Pass bloß auf.“ Der Akkato trat einen Schritt näher an Arwed heran. „Unsere Laune ist so schlecht wie das Wetter hier, und wenn dich nicht der Blitz erschlägt“, er hauchte eine weitere Rauchwolke in Arweds Gesicht, „ dann tu ich das vielleicht.“
Nach diesen Worten starrten die beiden einander lange an. Doch unvermittelt schien der Akkato das Interesse an Arwed verloren zu haben, der nicht auf die Provokation reagierte. Der Pferdekopf lachte kurz, wendete sich wieder ab und das Geplauder unter den Soldaten ging weiter, ohne dass sich die Gruppe vom Fleck bewegt hatte. Schließlich machte Arwed einen Schritt zur Seite und stieg hinein den Schlamm. Sofort sank er ein; tiefer als erwartet. Bis zum Knie reichte ihm die zähe, schwammige Erde. Einen weiteren Schritt zu machen, war schier unmöglich. Der schmierige Brei haftete an seinen Beinen und hielt ihn gefangen.
Die Soldaten lachten und kicherten wie Schuljungen über einen geglückten Streich. Dann trollten sie sich und waren bald außer Sicht. Arwed mühte sich unterdessen ab, wieder auf den Pontonweg zu gelangen. Es dauerte etwa zehn Minuten, bis er es endlich geschafft hatte. Unterdessen prasselte der Regen mit neuer Heftigkeit auf ihn herab. Als er wieder Zeit zum Verschnaufen hatte, ärgerte er sich darüber, nicht den Mut oder die Tollkühnheit aufgebracht zu haben, es auf einen Streit ankommen zu lassen. Den Akkato hätte er mit einigen geschickten und überraschenden Schlägen niederstrecken können. Es war schwierig aber nicht unmöglich, einem Akkato eine Lektion zu verpassen. Immerhin war ihm dies schon einmal gelungen. Aber das war bereits eine Weile her. Seine Spezialausbildung wäre ihm in dieser Hinsicht bestimmt von Nutzen gewesen, auch wenn sein letzter Kampf schon Jahre zurücklag und er gewiss etwas eingerostet war. Diese Überlegungen spukten ihm die ganze Zeit über durch den Kopf. Und auch wenn er sich Chancen einrechnete, so bildete seine Erschöpfung den entscheidenden Faktor, sich nicht auf eine Auseinandersetzung einzulassen.
Wie fertig ich doch bin, dachte er bei sich. Er fluchte leise und erinnerte sich daran, wie er vor etwa zwei Monaten hier gewesen war. Die schreckliche Hitze damals war ihm noch gut im Gedächtnis. Die Sonne stach unbarmherzig von einem Himmel herab, der alles Blau verloren hatte, als hätte der sengende Stern ihn ausgebleicht. Staubstürme fegten über das ausgedörrte Land und machten das Atmen schwer. Um die endlose Langeweile zwischen den Gefechten zu überbrücken, hatte General Dazzin angeordnet, das Lager alle Nase lang ab- und wieder aufzubauen. Eine schweißtreibende und harte Arbeit, die Arwed damals als reine Schikane betrachtet und ihm Mitleid mit den Soldaten abverlangt hatte. Nun aber sah er die Sache anders und wünschte, dem General wären noch perfidere Methoden eingefallen, um seine Leute während der gegenwärtigen Schlechtwetterperiode beschäftigt zu halten. Es gab genügend Trainingseinheiten, die vorsahen, Soldaten durch den Schlamm zu hetzen.
Noch immer hatte der Regen es nicht fertiggebracht, den Schmutz von Arweds Mantel abzulösen. Nachdem er sich aus dem Schlamm befreit hatte, klebte der zähe Morast dick an seinen Stiefeln. Er eilte weiter durch das Unwetter und bald gelang es ihm, den unangenehmen Vorfall mit den “Kameraden“ beiseite zu drängen. Was in aller Welt mochte so eilig sein, dass man ihn so dringend anforderte? Umgehend, unverzüglich, sofort, ohne Aufschub – das waren die Begriffe, die immer wieder in seiner Order auftauchten. In den Anfangstagen des Krieges, als noch alle Fronten in Bewegung waren, hatten diese Begriffe keinen Seltenheitswert. Die Fronten verhärteten sich und bald ließ die Eile nach. Es gab nichts Wichtiges mehr, das man zu erledigen hatte. Die Nachrichten beinhalteten gewöhnlich nur Angaben über unbedeutende und meist sinnlose Truppenbewegungen. Der Wortlaut, in dem sie abgefasst waren, ließ daher keinerlei Dringlichkeit erkennen. In zunehmend laxer Form bemühte man sich kaum noch um offizielle Formulierungen, die Wichtigkeit suggerierten, und scherte sich nicht um Geheimhaltung. Es gab nichts geheim zu halten, nichts zu beeilen. Alles verlor sich in matter Bedeutungslosigkeit, denn die Rebellion ging zu Ende – mussten zu ende gehen, sollte es noch eine Zukunft geben. Eine Tatsache, die selbst der einfachste Gefreite erkennen konnte. Diese Welt hier befand sich zwar weitab von der einstigen Frontlinie. Ein Ort, tief in der Etappe, im Niemandsland, das keinen bedeutenden Befehlshaber interessierte. Doch selbst hier konnte man das Ende des Krieges und das Kommen eines bitteren Friedens spüren. Beide Seiten trachteten danach, auf schnellstmögliche Weise den Kampf zu beenden, auch wenn die Oberen dies nicht öffentlich zugeben wollten und unaufhörlich den Geist ihrer gerechten Sache beschworen. Jedenfalls waren die Streitkräfte beider Seiten erschöpft und große Veränderungen gab es nicht mehr. Alles war erstarrt. Diese Reglosigkeit zehrte an den Nerven und belastete die Moral der Truppen. Es war also keinesfalls zu erwarten, dass Arweds Auftrag so etwas Gewichtiges wie die lang erwartete Friedensbotschaft enthalten könnte. Das Golon-System taugte kaum dazu, eine Quelle derartiger Neuigkeiten zu sein. Hier war Arwed nichts Weiter als der Überbringer buchhalterischer und logistischer Überlegungen. Er war nur ein Laufbursche gelangweilter Generäle.
„Verdammt“, zischte er. Ich brauche dringend ein wenig Schlaf. Meine Gedanken verknoten sich. Er beschloss, nicht weiter darüber zu grübeln, und erreichte nach kurzer Zeit das imposante Kommandanturgebäude. Noch ehe der massige Wachroboter an der Pforte reagieren konnte, rief ihm Arwed ein älteres, aber gültiges Passwort zu. Ein Zittern durchlief den stählernen Leib, der für einen Sekundenbruchteil eine Verteidigungspose angedeutet hatte und nun wieder zurück in den Stand-by-Modus sank. Das Panzerschott, vor dem die martialische Maschine postiert war, sauste nach oben und gab den Eingang frei. Arwed hatte jedoch keine Gelegenheit durch das Schott zu treten. Ein Eindämmungsfeld hinderte ihn daran, einen weiteren Schritt zu machen. Ein junger Page stürmte Arwed entgegen – seine graue Uniform war tadellos, die Messingknöpfe und die braunen Stiefel glänzten. Ein ungewöhnlicher Anblick.
„So kommen Sie hier nicht herein!“, knurrte der blasshäutige Mann und schob den Kurier wieder hinaus, ohne ihn zu grüßen.
„Ich muss zu General Dazzin“, entgegnete Arwed. „Er erwartet mich.“
„Ich weiß, Sie sind der Kurier. Ich kenne Sie. Sie waren vor ein paar Wochen schon einmal hier. Sie sollten doch wissen, dass der General sehr eigen ist, wenn es um seine Teppiche geht.“
Arwed erinnerte sich noch genau. General Dazzins Quartier war ausgestattet mit allerlei persönlichem Inventar, und besonders an die wertvollen Teppiche konnte er sich entsinnen. Natürlich wollte sich der General diese nicht verderben lassen. Arwed erinnerte sich daran, wie man ihm befahl, seine Stiefel und Kleider von Staub und Schmutz zu befreien, bevor man ihn in das Quartier des Generals einließ. Der Page schob ihn vor dem Eingang auf ein Gitter, und begann ihn mit einem Wasserschlauch abzuspritzen. Eine irgendwie demütigende Behandlung, die Arwed mit verhaltenem Zorn über sich ergehen ließ.
„Wofür man sich doch immer noch die Zeit nimmt“, murmelte Arwed in das Brausen des Wasserstrahls.
„Was haben sie gesagt?“, erkundigte sich der Page.
„Nichts“, antwortete Arwed tonlos. „Sauberkeit ist das wichtigste Gebot in der Truppe. Kennen sie die Phrase, Reinlichkeit kommt gleich nach Gottesfurcht?“
Der Page ging nicht darauf ein und als er zufrieden war, führte er den Kurier in den Lift, um ihn hinauf zu seinem Vorgesetzten zu bringen. Die Tür öffnete sich und war damit sogleich im Quartier des Generals angekommen. Die weichen Teppiche waren dort, wo sich voraussichtliche Besucher bewegen sollten, mit weißen Laken bedeckt. Ein paar Stiefelabdrücke zeugten davon, dass Arwed nicht der einzige Besucher war.
Er staunte, als wäre er das erste Mal hier. An den Wänden hingen prachtvolle Gobelins, die historische Ereignisse darstellten. Den großen Globus, der ein leuchtendes Hologramm der Galaxis in sich barg und der Arwed schon bei seinem letzten Besuch aufgefallen war, hatte man von seinem ursprünglichen Platz wegbewegt. Sein neuer Platz befand sich vor dem Panoramafenster, hinter dem die grauen Wolken wirbelten. Vor dem Fenster standen ein Stuhl mit hoher Rückenlehne und ein schwarzer, auf Hochglanz polierter Schreibtisch. Der Raum war dunkel, bis auf das trübe Licht, welches durch das breite Fenster fiel und dem Glimmen einer kleinen Lampe, die in einer Ecke einen warmen gelben Schimmer erzeugte. An einer Seite des Raumes erhob sich ein hohes, gut gefülltes Bücherregal. Es nahm die ganze Wand für sich ein. Ein lederner Sessel davor lud ein, es sich bequem zu machen und ein Buch zur Hand zu nehmen, um sich darin zu verlieren. Oder sich dem Schachspiel zu widmen, das auf einem Beistelltisch neben dem Sessel stand. Arwed war kein besonders guter Schachspieler aber er es gab immer Gegner, die er besiegen konnte.
Der Page trat in den Raum, schlug die Hacken zusammen, stellte den Kurier vor und machte kehrt. Nachdem sich die Tür geschlossen hatte, fuhr er mit dem Lift wieder nach unten.
Dazzin stand am Fenster, Arwed den Rücken zugewandt. Der große, hagere Mann hatte sich nicht bewegt, um den Kurier zu begrüßen. Stattdessen starrte er aus dem Fenster und beobachtete die dahintreibenden Gewitterwolken und das Flackern der Blitze darin. Der kahle Kopf des Generals umnebelt vom blauen Dunst einer Zigarette, die in einem langen Mundstück aus glänzendem Messing steckte. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, drehte er grübelnd an einem goldenen Ring am Finger seiner rechten Hand. Er nahm die Zigarette aus seinem Mund und blies eine Qualmwolke in die Luft, bevor er auf die öde Landschaft hinunterblickte, die der Regen in einem grauen Sumpf verwandelt hatte. Er führte die Zigarette zurück an seine Lippen und atmete den Rauch ein. Dazzin ließ viel Zeit vergehen und schien kein Interesse daran zu haben Arwed seine Aufmerksamkeit zu schenken.
Arwed fühlte, wie der Ärger in ihm aufkeimte. Doch gerade als er sich bemerkbar machen wollte, drehte sich der General um. Eine schnelle, unerwartete Drehung, als wollte er einen Messerangriff oder eine andere Nahkampfattacke starten. Er fixierte den Kurier mit seinen hellgrauen Augen und schob das metallene Filterstück zwischen den schmalen Lippen von einem Mundwinkel zum anderen und. Dieser kalte, stechende Blick, dachte Arwed. Schon beim letzten Besuch hatten ihn diese Augen irritiert und zugleich fasziniert. Ein Blick, der eine sengende Wüste zu mittags mit Frost überziehen konnte. Der kalte Gesichtsausdruck eines Menschen, der es gewohnt war kühl zu kalkulieren und alle Gefühle zu unterdrücken, bis sie abgestorben waren.
„Freut mich, Sie wohlauf zu sehen“, sagte Dazzin freundlich, aber es klang mehr wie eine nüchterne Feststellung. „War sehr zufrieden mit ihrer Leistung letztes Mal. Ich mag es, wenn Leute schnell und selbstständig arbeiten können. Gibt zu wenige von dieser Sorte.“
Wie sehr doch diese tiefe, warme und volltönende Stimme mit dem eisigen Blick kontrastierte, überlegte Arwed. Eine eigenartige Konstellation, die ihn schon vor einigen Wochen seltsam berührt hatte. „Danke“, erwiderte Arwed, denn der aufkommende Ärger war an dieser Offensive unerwarteten Lobes sogleich verpufft.
„Wie sieht’s draußen aus?“
„Sir?“
„Draußen.“ Er nahm die Zigarette zwischen zeige und Mittelfinger und deutete mit einem Ausdruck der Verwunderung hinter sich. „An der Front?«
„Ich bin viel unterwegs“, sagte Arwed. „Und meist hinter den Kampflinien. Ich erfahre kaum etwas.“
„Na, Sie werden doch noch mitbekommen, was die kämpfende Truppe so alles leistet“, bohrte Dazzin weiter nach.
Arwed wusste darauf nicht viel zu sagen. Tatsächlich erhaschte er immer nur flüchtige Eindrücke, von den Kampfhandlungen, denen er für gewöhnlich den Rücken zudrehte. Es fiel ihm schwer, sich aus diesen winzigen Eindrücken ein komplettes Bild zu machen, was den Verlauf des Krieges betraf. Zwar wurde Arwed immer wieder mal zum Kampf gezwungen und in allerlei kleine Scharmützel verwickelt, aber das mochte nichts heißen. Aufschlussreicher waren die Gespräche und die Stimmung unter den Kämpfern, denen er auf den Stützpunkten begegnete. Doch davon wollte er Dazzin nichts berichten. Mit Sicherheit aber konnte er sagen, dass die kämpfende Truppe, wie sich der General ausdrückte, des Krieges müde war. Die erfahrenen Soldaten waren entweder tot oder erschöpft, die jungen ohne Begeisterung und voller Angst. Arwed suchte eilig nach einer unverfänglichen Antwort. „Die Truppe hat Urlaub verdient, Sir“, sagte er schnell.
Dazzin nickte sofort. „Ja, wir haben Beachtliches geleistet.“ Er nahm ein glänzendes Kuvert aus Silberfiset von seinem Tisch. „Sie haben den Eindruck, dass wir alle müde sind?“
„Nein, Sir!“, antwortete Arwed automatisch und unüberlegt. „Ich meine nur … „
Dazzin grinste in sich hinein, Er hatte Arwed bereits durchschaut. Offenbar hätte es dem General nichts ausgemacht, hätte Arwed ihm seine wahren Ansichten dargeleg.
„Was uns hier betrifft; wir sind müde“, erklärte er matt. »Seit fünf Wochen dieses Wetter. In den Wochen davor nur Hitze, Staub und Mücken. Der letzte Einsatz liegt acht Monate zurück. Seither nur Konserven zählen. Die Männer werden von der Langeweile umgebracht, und ich lese zum zehnten Mal die Lyrik des Katain. Alte Axarabor Poesie. Voll von hären idealen und der Größe des antiken Reiches. Ich halte es eher für einen Abgesang im Angesicht des kommenden Endes. In diesem Licht gelesen sehr aufschlussreich. Vom Patos verdeckte Wahrheiten, die gerade deshalb umso deutlicher herausstechen.“ Dazzin sog erneut an der Zigarette und stieß eine sich kräuselnde Dunstwolke aus. „Vom Sturz der Engel“, begann er zu zitieren. „Wirbelnd, brennend fallen sie aus Himmelshöhen der kalten Erde zu. Noch im Sturze singen sie den Lobpreis Gottes.“
Arwed beobachtete Dazzin genau, während er sein Schauspiel darbot. Sein Stirnrunzeln, die Art wie er sprach. Es waren doch noch viele Emotionen da, die in seinen Adern kochten. Verborgen unter der der Maske des Militärstrategen, der vorgab von reiner Logik erfüllt zu sein.
„Alles dreht sich im Kreis“, fuhr der General fort. „Es ist zum Verrücktwerden. Die Konturen verschwimmen und alles fließt zusammen in eintöniges Grau. Grau, wie diese Landschaft hier. Gedanken, Bilder, Gefühle. Alles verliert an Gewicht und an Bedeutung. Allem wird seine Substanz entzogen. Als hinge ein gigantischer Vampir am Hals unserer Welt, um ihr Kraft Sinn und Schönheit auszusaugen.“ Er machte eine kurze Pause, führte die Zigarette abermals an den Mund und entließ langsam und genussvoll eine lange Rauchfahne durch seine dünnen Lippen. „Langeweile ist der wahre Feind. Manchmal denke ich, der eigentliche Angriff erfolgt in den Stunden, Tagen und Wochen nach, oder vor dem Kampf. Es ist seltsam, was diese gedehnten Stunden mit dem Verstand so alles anstellen können. Seltsame Dinge spuken einem dann im Kopf herum. Grübeleien, unentwegte Grübeleien. Sie lassen einen nicht zur Ruhe kommen. Abstruse Ideen und Vorstellungen, die einen normalerweise abstoßen würden, sich aber nicht mehr aus dem Hirn vertreiben lassen, erfreuen uns plötzlich wie ein heiteres Schauspiel.“ Er nahm einen letzten Zug und drückte die Zigarette im Aschenbecher auf dem Tisch aus. „Wenn es doch nur mal wieder richtig krachen würde, damit man endlich auf andere Gedanken kommt.“
Die Erschöpfung dieses Mannes war so sichtbar, wie die Qualmwolke, die um seinen Kopf waberte. Es handelte sich um eine Erschöpfung, die eine schier greifbare Bedrohung darstellte. Von Dazzin ging eine Art Aggression aus, die still und ruhig in seinen eisigen Augen glitzerte. Arwed wusste zwar noch nicht, worin genau die Gefahr lag und ob sie gegen ihn persönlich gerichtet war oder gegen jemand anderen. Aber er konnte sie so deutlich erkennen wie den Schatten, den Dazzin im diffusen Tageslicht auf seine geliebten Teppiche warf.
Der General hob die Hand und streckte Arwed das funkelnde Kuvert aus Panzergewebe entgegen. Noch völlig in seinen Gedanken gefangen, zögerte Arwed zunächst, es entgegenzunehmen. „Wohin geht es?“
„Wie letztes Mal. General Warden auf dem Planeten Soraz im Denebon-System.“
Schließlich nahm Arwed das Kuvert und steckte es in die Innentasche seines Mantels. Dort würde es bleiben, bis er es General Warden überreichen konnte. Dann schlug er nach altem irdischen Brauch die Hacken zusammen und salutierte.

 

 

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